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Kurze Gedichte

Man kann kurze Gedichte nicht mit einer Anzahl von Worten in die "Schranken" weisen. In dieser Kategorie werden Beiträge vorgestellt, die lediglich im Gebrauch der Worte kurz gehalten sind. Die Aussage jedes einzelnen Beitrags kann dennoch eine so tiefe Bedeutung haben, dass diese durch mehr Worte vielleicht nur aus dem Mittelpunkt rücken würde.

Die Beiträge, die hier vorgestellt werden stammen aus der Feder von professionellen Autorinnen und Autoren. Sie wurden LiteratPro für eine Veröffentlichung auf der Webseite zur Verfügung gestellt. Da diese Sparte kein direktes Thema anspricht, können kurze Gedichte auch in anderen Kategorien auf LiteratPro zu finden sein. Die Beiträge, welche unter der Kategorie kurze Gedichte vorgestellt werden, sind das Resultat eines Schaffensprozesses und werden somit automatisch durch das „Gesetz zum Urheberrecht“ geschützt. Zudem sind ein Großteil der Einstellungen auf LiteratPro bereits in Büchern und anderen Printmedien veröffentlicht. Sie unterliegen damit dem jeweiligen Copyright des Inhabers dieses Rechts.

Auch die Beiträge in der Kategorie "Kurze Gedichte" versprechen schon allein handwerklich einen Lesegenuss für den nach Literatur suchenden Besucher dieser Webseite.

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Traum (der Vorletzte)

Heute träumte mir, ein
Greis kommt von
Einem Berg herunter
Mit jedem Schritt zum
Tale hin wurde er
Jünger und jünger
Um mit dem letzten Tritt
Als Säugling der Talsohle
Entgegen zu rollen

von: 
Anner Griem

Der Sturm

Der Ansturm der Zeiten
Vergessend, gewandelt
In Plasma, das
Den Augenblick im
Matten Abglanz der
Gleißenden Sonne
Überzieht mit
Traurigem Licht

Warm einzig der
Moment der Begegnung

von: 
Anner Griem

DIE FREIHEIT

Sie kommt über die Ebene.
Ferne erhebt sie sich
im Staub.
Meine brennenden Augen
suchen das Weite.
Sie kommt, um meine Ketten
zu zerschlagen.
Mit stählernen Fäusten.
Mit brüllenden Panzern.

von: 
Hans Dieter Schmidt

Zuwendung

Die Wucht des Lichtes
kommt!
Bezwingt die Watten
der Dunkelheit!
Und ich befeuchte
meine Sonnen mit diesem
Triumph:
Zu dieser Zeit beseelt
dem Tag getauft!

von: 
LiteratPro.de

Verstummung

er redete redete
erst in normaler lautstärke
dann leiser leise

die stimme verklang
der mund bewegte sich weiter
ohne ton

ich lauschte lauschte
ohne antwort zu geben
so sprachen wir beide

von: 
LiteratPro.de

Straßenleben

Verwaschen blass kenntlich
Eine Sonne und ein Gesicht
Lachend und offen
Eine Kreidesonne auf der Straße.

Kinder haben sie gezeichnet
Ohne dem Wissen dass
Eine Sonne nicht lebendig ist
Das Leben fortgespült abwaschbar
Vergängliches Dasein in Kreide
Auf der Straße.

von: 
LiteratPro.de

Ein Schritt

Gereimtes Wort in jedes Ohr
Bis ich mich nicht mehr höre
Und eine Träne – Lebenssalz
Bis ich mich nicht mehr sehe
Ein Schritt dahin wo Regen wächst
und Regenbogen blühen
Ein Schritt in Dichters Paradies
ist länger als das Leben.

von: 
Artem Zolotarov

wir bewundern die dahlie

wir bewundern die dahlie
auf der blumenschau
den türkenbunt
im botanischen garten
die rose beim nachbarn
DEN FRAUENSCHUH
VORM HAUS
hatten wir übersehen

von: 
Günter Ullmann

SCHÖPFUNGSBERICHT

gottes
kralle
heilt am trauer-
rand
seines allerkleinsten
fingers

von: 
Günter Ullmann

GREIZ 1992

(Für meinen Freund Rudolf Kuhl)

krawattenteutsche
honigärsche
bethronen die
unregierbar
gewendeten
arbeitslosen
müllhalden
eines großstadtüberbrückten
vergilbten
perlen-
lichts

von: 
Günter Ullmann

DER GÄRTNER

DER GÄRTNER
welkt in seinem
garten
die augen reißen
gras
und un-
kraut aus
die welt ver-
dorrt
vor grünen
gitter-
stäben
nur die
sonnenblumen
erheben sich
noch
über den zaun

(1988)

von: 
Günter Ullmann

DER GEIST IST WIE WASSER

DER GEIST IST WIE WASSER
Die Seele wie ein Tropfen,
der über Erde und durch Himmel wandert
und im Meer sich mit allen Tropfen
vereint
im ewigen Kreislauf
und in ewiger Wandlung …

von: 
Günter Ullmann

Abend auf Korsika

rot küssender Feuerball
hüllt sich in Witwenschleier
Abschied für eine Nacht

Berge legen Dörfer
wie schimmernde Kolliers an
und Gott geht zur Ruhe in Frankreich

von: 
Gila Philipp-Kullmann

Ganz einfach

Auf einmal geht's einfach nicht mehr.
Die Liebe, lange da und leicht,
Ist fort, zu sprechen fällt nun schwer
Und niemand hört, worum es geht.
Kein Trotzdem fehlt und kein Vielleicht
Und keiner da, der noch versteht.
Das Paar, einst voll und reich, ist leer,
Vorbei, zu mehr hat's nicht gereicht,
Ganz einfach, einfach nicht ganz fair.

von: 
Andreas Moser

Kurzzeit Leben

Stetiger Wandel
beherrscht das Denken,
Normen kommen und gehen.
Im Wald lauscht der Wolf
dem Mond.
So war es immer…
so wird es bleiben…

Nur der Mensch
trachtet nach mehr.

von: 
Perdita Klimeck

Bestseller Leben

Schier endlos atmet sie, die Zeit.
Die Spuren ihrer tiefen Züge
zieren mein Gesicht.
Im Spiegel lese ich ein Buch -
in einer Sprache,
die nur ich verstehe.
Was sich dort Wort für Wort

von: 
Perdita Klimeck

Schnee

Nichts fiel dir leichter,
als Schnee zu sein,
vom Himmel zu fallen
und zu verzaubern.

Nichts fiel dir schwerer,
als lautlos
vom Frühling geküsst
zu gehen.

von: 
Klaas Klaasen

lebenstraum

lebend
erwarten wir
den tag
um über
die zeit
zur nacht
dem leben
im traume
entgegen
zu dämmern

von: 
Anner Griem

Zweierbeziehung

Dort oben
Wo die Gasse ins Nichts
Führt
Gewahrt er das
Ende einer Beziehung

Sich umdrehend
Schaut er den Anfang

Sie lächelt

von: 
Anner Griem

Zahnlose Gier

Wir glauben, unser tägliches Brot
Sei der goldene Mammon
Ich frage mich, wann wir
Soweit sind, dass wir uns
Die Zähne daran ausbeißen?

von: 
Anner Griem
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