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Metapher

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Morgens

wenn der morgen aus den dächern bricht
und duke ellington spielt
im hotelzimmer neben uns
wenn die drossel ihr morgengebet spricht
komm ich zu dir.

der druck weicht - deine augen öffnen sich

von: 
Hartmut Schostak

Ackerland

Die Furchen gezogen bis zum Horizont.
Zwei Scheiben Graubrot.
Was sonst? Die Schuhe voll Lehm.

Die Jacke im Mantel übern Bauernkleid.
Drei Taschen, ein Koffer, ein Tuch.

von: 
Anner Griem

Wo Ahnung genügt

Mein Geheimnis ruht
versiegelt am Grund.

Warum wissen wollen,
wo Ahnung genügt?

Der Dunkelblitz
traf unsere Rosen nicht,
aber die abgespeicherten
Bilder des Grauens

von: 
Karl-Heinz Giesenbeck

HIOB

Das Leben nahm dich
auf seine schwarzen
Büffelhörner
Dennoch gewahrtest du
der Perlen Reigen
schimmernd
und aus Achat

Das Schicksal gab dir
seine Finsternis zu schmecken
das tat weh

von: 
Karin Breither

Traumgeborene Schöpfung

Frei und licht überragen sie
wesenlos den wirkenden Tag –

Bis dann ein Gestaltender umfasst
die Fülle nächtlichen Geschehens
und aus dem fließenden Traumgewebe

von: 
Josef Wilms

PARADIESVOGEL

PARADIESVOGEL
schrei

im urin der meere
vergiften sich
ihre eigenen
quellen

paradiesvogel
sing

in den steinwüsten
der städte
schmückt sich
die gesichtslose
zunge

von: 
Günter Ullmann

DER GÄRTNER

DER GÄRTNER
welkt in seinem
garten
die augen reißen
gras
und un-
kraut aus
die welt ver-
dorrt
vor grünen
gitter-
stäben
nur die
sonnenblumen
erheben sich
noch
über den zaun

(1988)

von: 
Günter Ullmann

DER GRENZSOLDAT

DER GRENZSOLDAT
füttert die vögel
dann putzt er sein gewehr
er würd nicht mal auf einen spatzen zielen
das schwört er bei seiner ehr

die gänse finden den sinn des lebens

von: 
Günter Ullmann

Neue Zirkusspiele

Das Zelt ist hochgespannt und weit,
das Zirkuszelt der neuen Zeit.

Hoch oben ist das Seil gestrafft,
tief unter ihm die Tiefe klafft.

Auf so gefahrvoll schmalem Pfad

von: 
Franz Lichtenstein s.A.

Der Trauerzug

Es ging ein Mann des Wegs dahin
so ganz für sich allein...
Er hatte weiter nichts im Sinn,
das soll manchmal so sein.
Da traf er einen Trauerzug,
weil man grad wen zu Grabe trug.

von: 
Franz Lichtenstein s.A.

Postkartenidylle

Noch will der Tag
sich nicht befreien,
von der Last der Nacht.
Das Atmen fällt ihm schwer,
da dumpfe Nebel drücken.

Müdes Erwachen
liegt in dieser Stunde.
Und selbst der Regen,

von: 
Perdita Klimeck

Nachtgedanken

Durch enge Gassen jagen die Gedanken,
Kreuzverweise bilden sich in dunklen Ecken,
um sich in Winkeln zu verstecken,
damit sich Wörter um sie ranken.
Den müden Geist mit Salz bedecken,

von: 
Perdita Klimeck

Luftlöcher

Stunden singen von Lautlosigkeit.
Ein Blatt - es fällt und fällt.
Und ich sehne den Moment herbei,
wenn es den Boden berührt.

Fragen klopfen an die Mauern,

von: 
Perdita Klimeck

Alte Allee

Die Stille ist zu groß,
hier schläft der Himmel,
das Schweigen fällt wie Regen,
leise, leise,
gläserne Tore schuf sich diese Welt,

die sich nach jedem Schritte lautlos schließen

von: 
Marianne Jankowski

Jagdfieber

Drei Hermeline
Ziehen über Land
Schemenhaft
Lautlos

Drei Gesellen
Ziehen über Land
Schattenhaft
Kraftvoll

Eine Spur suchten
Sie vergebens

von: 
Anner Griem

Frühstück in Srebrenica

Frühstücke
Frühstücke
Die Marmelade, aus dem Garten
Der Salbei stand eben noch dort
Dieser Tag wird Dich schänden
Seine junge Frische - bereits verblichen

Langsames Dahingleiten:

von: 
Anner Griem

Dorfladen

Hühnerei Butterbrot
Dumm Geschwätz
Alte Schuh

Gurkenglas Erbsensuppe
Viel Getratsche
Hundedreck

Besenstiel Gummischutz
Manch Gelächter
Kittelschürz

Groschenheft Heimatzeitung

von: 
Anner Griem

Die Nacht hält den Atem an

Die Nacht hält den Atem an.
In ihr Horchen fallen Glockenschläge
von weit her - wunderzart,
als ob der Mond sich tönend bewege,
als ob der Wind seine liebsten Lieder
- uns -

von: 
Wera Goldman

Testament eines Dichters

Pol und Pol,
einer Eis, der andre Flammen -
Treffer ird´scher Weltnatur,
halten alles gut beisammen,
solange sie sich auf der Spur.
Ihre Sehnsucht nacheinander

von: 
Tilly Boesche-Zacharow

Gefangen (Im Mittelalter)

Ich muss darben, endlos schmachten,
seit sie mich zum Kerker brachten.
Von der Folter sind die Knochen
mir im Leibe wie zerbrochen.

Während ich hier endlos dürste,

von: 
Tilly Boesche-Zacharow
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