Ist das Internet Kultur?
Jeden Tag und jede Nacht treffen sich die Jugendlichen aufs Neue in den angesagten Zentren und Klubs der Stadt. Jede mittlere bis große City hat ihre Kultur und jeder Bewohner trägt diese ganz eigene, individuelle Kultur an jeden Ort mit, den er später besucht. Heute ist es so, dass sich nicht mehr nur innerhalb der Stadt getroffen werden kann ... die Kultur wird auch nicht mehr allein über das Reisen weitergetragen. Durch die Entwicklung der multimedialen Technologien und Möglichkeiten hat sich der Bewegungskreis des einzelnen Menschen erweitert. Die Welt ist "kleiner" geworden und sicherlich - trotz aller Gefahren, die damit verbunden sind - in einem ganz positiven Sinne. Heute ist es kein Problem mehr für einen Jugendlichen, die Welt zu sehen - wenn es auch nur über den Computerbildschirm ist! Ein Tscheche lässt einem Japaner Gästebuch Pics auf der Pinnwand und muss dafür kein Porto bezahlen und keine Reise antreten.
Die Pessimisten behaupten natürlich, dass das Internet die Menschen in ihren Wohnungen und vor ihren Rechnern gefangen hält. Die Wahrheit ist- das Internet holt die Menschen aus ihren Wohnungen und Städten heraus. Vom Austausch der Gästebuchbilder abgesehen übernimmt das Internet heute die Funktion des sozialen Knotens. Und ganz sicher trifft das nicht nur auf Teenager zu. Immer mehr ältere Menschen machen sich - bedarf oder unbedarft - die Technologie zum Nutzen, alte Kontakte wieder aufleben zu lassen oder neue Kontakte zu knüpfen. Längst vergangene Bekanntschaften können wieder aufgefrischt werden und selbst für Menschen, die aus Gründen des Alters oder wegen Behinderungen die Wohnung nie verlassen können, kann das Internet zum Tor zur Welt werden. Wie wird es den Rentnern von Morgen gehen - die geistig gesunden, die heute schon mit dem PC aufwachsen. Ganz realistisch betrachtet wird es für sie etwas wie Einsamkeit nicht mehr geben müssen. Natürlich ersetzt die virtuelle Welt die wirkliche Welt nicht, aber sagen Sie das Mal meiner Mutter, die vor der Zeit mit ihrem Rechner lediglich das eine Gespräch in der Woche mit der Haushaltshilfe führte.



