Gut und wertvoll

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von Heide Nöchel (noé)

Ein Mensch – wann wohl denn ist er „gut“?
Wann kann man vor ihm „niederknien“?
Gut ist man, wenn man Gutes tut –
dies kann man nicht in Zweifel ziehen!

Reicht es denn nicht zum Gutsein schon,
wenn ich die Hungernden ernähre?
Wie wichtig ist Motivation?
Gleitet es hier ins Ungefähre?

Wer Hunger leidet, hat's nicht leicht,
so sterben ist hilflose Qual,
WER ihm gefüllte Teller reicht,
ist jedem Armen ganz egal.

Doch brüste ich mich meiner Tat
zehn Mal, wenn ich hier zehnmal rette,
und tue dies auch noch lautstark,
dass Anerkennung mich weich bette,

bin ich dann „besser“ noch als gut?
Als einer, der nur einmal hilft,
dies aber im Verborgnen tut?
Welcher ist „wertvoll“ als Vorbild?

Im ersten Fall sind zehn gerettet,
im zweiten ist nur einer satt;
die erste ist mit „Ruhm“ verkettet,
doch ist sie wirklich „gut“, die Tat?

Wenn ich nichts sage und „nur“ handle,
weiß niemand ja, wohin das führt
und wie viel Leid ich wohl abwandle –
was niemand zu helfen animiert …

Will man im Weihrauch gut dastehn?
Wer fragt im Hilfsfall nach „Moral“?
Wie ist solch Hilfe anzusehn –
oder ist das völlig egal?

© noé/2017

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