Es tut immer weh, jemanden zu verlieren. Schon allein, weil man dann allein bleibt. Allein – womit?
Mit sich und seinen Gefühlen, mit sich und dem Platz, der nun kein Gegenüber mehr ist und hat. Mit der Erkenntnis seines eigenen Platzes, vor sich selbst, in einer Beziehung, zu der Welt, im Universum.
Man wird plötzlich mit ganz Vielem konfrontiert, das einem in der vorherigen Normalität so gar nicht zu Bewusstsein gekommen ist. Ganz allgemein nehmen wir viel zu viel als „Normalität“ wahr und ruhen uns darauf aus.
Aber wenn das bisherige Gegenüber plötzlich „ausbricht“? Oder „wegbricht“? Wenn kein „Miteinander“ mehr möglich ist?
Nichts ist so stark wie die Verweigerung. Wenn jemand „Nein“ sagt, kann man noch so viele Jas dagegen halten.
Das Schwierige dabei ist, ein neues Gleichgewicht herzustellen, damit man nicht selber ins Rutschen kommt, seine eigene Position neu festzulegen, damit sie eine andere Stabilität gewinnt.
Ohne den nun fehlenden Gegenpart, der bisher Tragen geholfen hat, gerät so manches ins Rutschen und man muss sich erst wieder „fangen“. Wenn vorher zwei da waren, das Gewicht des Daseins gemeinsam zu tragen, fällt es nicht leicht, ein Stolpern zu verhindern, wenn es nun auf nur zwei Schultern ruht. Die Gefahr ist ein tiefer Fall.
Dazu kommt die Verunsicherung, möglicherweise blind gewesen zu sein für vorangegangene Entwicklungen, kein Auge gehabt zu haben für eigentlich offensichtliche Veränderungen, das Augenmerk auf genau die falschen Dinge gelegt, sie aus dem falschen Blickwinkel oder in einem nicht stimmigen Licht betrachtet zu haben.
Allein bleibt man mit vielen Fragen und mit deren Beantwortung, mit einem Berg an Selbstvorwürfen und verhallenden Schuldzuweisungen; es gibt kein Feedback mehr, das einem bei der Positionierung helfen könnte.
Was übrig bleibt, ist ein verunsichertes Herz, von Fragezeichen umgeben.
Sollte das bisherige Gegenüber noch leben, besteht immerhin die Möglichkeit, irgendwann in der Zukunft einige dieser Fragezeichen vielleicht zu einem Gedankenstrich aufzulösen, zu einem Doppelpunkt, vielleicht einem Punkt oder – im besten Fall – sogar einem Ausrufezeichen.
Noch anders ist das, wenn der „Weggang“ ein endgültiger, einer ohne Wiederkehr ist. Dann muss man sich auf den mühseligen Weg machen, selber Antworten zu finden, irgendwie und irgendwo in der Zeit, die noch vor einem liegt, auch wenn sie einem zuerst endlos erscheint.
Die Welt, wie man sie kannte, ist aus den Fugen geraten, und einen festen Ankerpunkt zu finden, sie erneut aus eigenen Kräften aus den Angeln heben zu können, kann sich zur Lebensaufgabe entpuppen. Manch einem bricht es das Rückgrat.
© noé/2017