Eisvogel

Bild von Britta von Kornblum
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Leuchtende Farben, klein und schnell,
leicht zu unterschätzen aber ziemlich hell.
So hast Du mich gefunden und dich verliebt,
warst erstaunt von meiner Freiheit. Dass sie dir was gibt,
hättest Du nie gedacht und wolltest mich halten,
ich kam freiwillig zu dir, habe mich selbst gespalten.
Hab mir den Käfig zu eigen gemacht,
hab sie fast verloren meine eigene Macht.

Und jetzt ist es schwierig, meinen vergessenen Teil
Wieder auszugraben und den giftigen Pfeil
Der Verbitterung nicht an Dir auszulassen.
Für die Untreue muss ich mich schon selber hassen.

Eine Zeit lang war es bequem für Dich,
wenn ich nicht ausflog, sondern immer mich
um alles kümmerte und alles sorgte.
Jetzt wissen wir beide, das war nur geborgte
Gesundheit, Sicherheit, labiles Vertrauen.
Zweifel und Sehnsucht - unterschwelliges Grauen.
Lass bloß nichts raus, denn dann wird mir bewusst,
dass ich endlich wieder fliegen muss.

Fliegen – Wie soll ich das nur erklären?
Ich will meine Freiheit wieder gebären.
Ich stoße zwar ungern vor die Köpfe,
verteile Beulen, doch ich schöpfe
Verdacht, dass das wohl notwendiger Mist,
und der Preis für meine Freiheit ist.

Ihr wollt mich unten, und ich muss fliegen.
Ich muss Euch enttäuschen und will nicht lügen:
Hier oben ist es wunderbar
Hab Wind um die Nase und auch im Haar.
Und am liebsten hätte ich Euch hier
In einem Schwarm direkt bei mir.
Aber Ihr seid in anderen Elementen munter,
ich schaue liebevoll auf Euch runter.

Mit Eurem Aufwind bin ich viel freier,
und freu mich auf Euch, in Freiheit, au weia!
Ich komme so gerne zu Euch zurück!
Unter der Schwelle: Freude und Glück.

26.07.2019

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