So erlebt

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von Heide Nöchel (noé)

Könnt' ich auf nie begang'nen Pfaden
mein Denken dennoch frei bewegen?
Wie weit reicht pure Phantasie?
Muss ich nicht erst erfahren haben,
wie es sich anfühlt, dieses Leben -
be-schreiben könnt' ich es sonst nie?!

Wer führte mich durch die Savanne,
im Fellgestrüpp verfang'ne Dornen,
unter den Sohlen heißer Sand,
wie lange währte diese Spanne,
in wieviel' wildgewachs'nen Formen
ich dieses Leben wohl empfand?

Ich spürte diesen Sog der Wellen
als sanftes erogenes Strömen
entlang der kühlen Schuppenhaut -
wer könnte sonst davon erzählen,
dass es sich anfühlt wie ein Sehnen,
authentisch, dass man es mir glaubt?

Und wie ich meine Schwingen spreizte,
von nichts als nur dem Wind getragen,
dies helle Jauchzen in der Brust,
dass ich mit Lustgeschrei nicht geizte?
Wer sollte mir von Federn sagen,
die spielen in der warmen Luft?

Wie warm auch ist auf meiner Haut,
die meinen Körper grau umhüllt',
den ich gelassen mit mir trage,
das Wasser oder auch der Staub,
wenn rüsselnd ich damit gespielt,
mich schützend vor Insektenplage ...

wenn ich die Blätter lockend breite
und offen meinen Kelch darbiete,
- süßer Duft wird rings betäuben -,
in meiner eng begrenzten Weite
mit aller Farbigkeit der Blüte,
damit die Bienen mich bestäuben.

Und wie ich hinzog über Meere,
Tropfen geformt zu Wolkenbildern,
so filigran und zart gewebt,
wenn's nicht in mir verankert wäre -
wie könnte ich es jemals schildern,
hätte ich es niemals so erlebt?

© noé/2015 Alle Rechte bei der Autorin.

Alf, Dein 85. Schritt auf Deinen ganz persönlichen "Wahnsinn" zu
war Auslöser für diesen Text. Tja, selbst schuld ... ;o))

Gedichtform: 
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