Was dann …?

Bild zeigt Annelie Kelch
von Annelie Kelch

Was aber, wenn die zottige Nacht
auch am Tag zu uns herabstiege,
um uns die Dornen der Rosen
in die Herzen zu schlagen, damit wir
nicht allein ihre Schönheit, sondern
auch ihre Tugend und Tapferkeit lobten?

Was aber, wenn die verwahrlosten Meere
den Aufstand probten und Monsterwellen
uns in die Hölle schickten …?
… wenn Nerze, Füchse, Tiger und Robben
sich gegen uns erhöben, und alle Menschen,
die sich mit ihrem Fell schmückten,
in Tierparks sperrten?

Und was würde geschehen, wenn Gott
in einem Anfall von Ironie Reklame vom
Himmel regnen ließe, die uns unter sich begrübe
und keinen Wunsch mehr übrig ließe …?

… wenn die Hufe der wilden Pferde dieser Welt
durch die Nächte dröhnten und uns Todesfurcht
überkäme vor den Klauen hungriger Bären,
die aus geschrumpften Wäldern in unsere
Städte getrottet kämen?

… was, wenn alle Grenzen sich von selbst öffneten,
um Unrecht gegen Recht aufzuwiegen und Länder
forderten, darin Staatsmännerfrauen auch ohne
fürstliche Saläre unbestechlich zu sein hätten?

… und was wäre, wenn wir sämtliche Waffen dieser
Welt verschrotten ließen und alle Staatsmännerfrauen
in die Praxen begabter Therapeuten schickten – zum
Aufarbeiten ihrer Defizite, damit endlich
Frieden herrsche in dieser Welt?

Und was, mein Lieb, würd geschehen, wenn ich
in den Zug stiege und zu dir reiste, um dir in die
Augen zu schauen, weil ich darin die Wahrheit
entdecken könnte ...

Ja, was dann …?

Gedichtform: 
Thema / Schlagwort: