AU 2010 03 Canberra - Hauptstadt im Buschland - Page 2

Bild zeigt Willi Grigor
von Willi Grigor

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Leon hinunter zum Pool und grillte große Steaks auf einem in Australien üblichen Gasgrill in Großformat. Ein anderer Salat und verschiedene Weine waren zur Auswahl. Zum Schluss gab es passenden Käse zum Wein. Wir wurden fürstlich bewirtet und unterhielten uns ausgiebig. Ich vermisste meine Kamera.

Es war Vollmond. Leon informierte uns, dass es heute ein besonderer Vollmond war, nämlich Blue Moon. (Ein Blue Moon ist im englischen Sprachraum landläufig die Bezeichnung für einen zweiten Vollmond innerhalb eines Monats. Dieses Phänomen tritt nur 7-mal in einem 19-Jahre-Zyklus auf, also durchschnittlich nur alle 2,4 Jahre.) Dies war etwas Neues für uns.
Es war jetzt fast 22 Uhr und etwas kühl. Leon und Kate werden uns morgen verlassen und zwei Wochen Urlaub machen und Verwandte besuchen. Gullan und ich legten uns in das Doppelbett (mit zwei Matratzen) in unserem neuen Schlafzimmer und schliefen gut. Wäre es eine durchgehende Matratze gewesen (wie in Australien üblich) hätte ich mir ein eigenes Schafzimmer aus den übrigen drei ausgesucht.

Der nächste Tag war der 31. Januar, mein Geburtstag. Kate hatte mir gestern einen Brief aus Deutschland gegeben. Es war ein Geburtstagsbrief von der Verwandtschaft. Ich fühlte die Besonderheit des Briefes.

Gegen Mittag verabschiedeten sich Leon und Kate. Sie hatten uns gut informiert über alles Erforderliche. Der Nachbar auf der anderen Seite der Straße übernimmt die Poolpflege, wir brauchen uns nicht damit beschäftigen. Dann erzählten sie noch, dass einige Nachbarn die Erlaubnis haben, ihren Pool zu benutzen. Sie schwimmen einige Runden und gehen dann wieder. Sie kommen durch eine Tür im Zaun und stören uns nicht. Dies war etwas Neues für uns und ein Zeugnis guter Nachbarschaft. Wir waren gespannt wie sich das entwickelt.

Leon und Kate hatten uns den kurzen Weg zum lokalen Einkaufszentrum erklärt und uns auch ein italienisches Restaurant nicht so weit weg empfohlen. Am Nachmittag machten wir einen ersten Erkundungsspaziergang. Das Einkaufszentrum war schnell gefunden. Hier gab es alle Geschäfte, die man so braucht. Wir fanden einen Second-Hand-Buchladen. Mal sehen ob wir die Biographie von Richard Branson hier bekommen, die ich in Sydney angefangen habe zu lesen. Man hatte hier tatsächlich ein etwas abgegriffenes Exemplar, das ich für 10 Dollar kaufte. Ich freute mich, da ich dieses Buch unbedingt zu Ende lesen wollte.
Wir sahen, dass es hier gute Möglichkeiten zum Spazierengehen gab. Große "Grünflächen" (braunverbrannt) mit vielen Wander-/Fahrradwegen. Platz gibt es hier genug. Wir fanden auch den Italiener, "Restaurant Delissio". Ich hatte ja Geburtstag. Auf dem Weg zurück kauften wir im Supermarkt ein, u. a. Wein. Im Delissio werde ich etwas bestellen und zum Abendessen auf der Terrasse abholen. Als wir wieder zu Hause waren, sahen wir zwei Damen gemütlich in "unserem" Pool schwimmen. Es war schon etwas eigenartig. Sie waren aber nett und erklärten, dass sie die nächsten zwei Wochen nicht kommen können, da sie verreisen. Ich dachte: "Ach, das ist aber schade".

Nach vielleicht 10 Minuten verließen sie uns und wir haben sie auch nie wieder gesehen. Es kamen auch keine anderen Nachbarn zum Schwimmen. Es lag wohl auch daran, dass das Wasser sich bald grün verfärbte und trotz eifrigen Bemühens von Jerzy, dem Nachbarn, auch so blieb bis wir wieder abreisten. Uns machte dies nichts aus, wir haben auch die anderen Pools, die wir bisher hatten, kaum benutzt.
Das Geburtstagsessen von "Delissio" war super und der Abend auf der Terrasse auch.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus in die City, um diese zu erkunden und eine neue Kamera zu kaufen. Die Bushaltestelle war ganz in der Nähe am Einkaufszentrum. Die Fahrt dauerte eine Weile, da der Bus die einzelnen Wohnbezirke abfuhr. Danach war es eine regelrechte Sightseeing-Fahrt vorbei am neuen und alten Parlamentsgebäude, verschiedenen Regierungsgebäuden, Nationalmuseum und über die Brücke zur Innenstadt. Die Straßen hier sind sehr breit und die Geschäftshäuser niedrig und irgendwie alle gleich. Es war nicht leicht, sich zu orientieren. Die Innenstadt war wenig belebt, nicht zu vergleichen mit den großen Städten Melbourne, Sydney, Brisbane und Perth. Wir fragten uns durch zu "Ted´s Camera", ein Geschäft, das Leon uns empfohlen hatte weil das Personal sehr freundlich ist. Dies können wir jetzt bestätigen und wollen das Geschäft gern weiterempfehlen, falls ihr mal nach Canberra kommt und Probleme mit der Kameraausrüstung habt.
Verkäufer Dave schaute sich unsere alte Kamera an und kam zu dem Schluss, dass die Bilder auf dem Speicher abrufbar sind. Neue Bilder können nicht gemacht werden, die Kamera müsste eingeschickt werden. Sowohl er als auch wir zweifelten daran, dass sich das lohnt und wir ließen uns neue Kameras zeigen. Wir wählten eine ähnliche wie die alte von Fuji für ungefähr 100 Euro. Die alten Bildspeicher passten natürlich nicht und wir mussten neue kaufen. Mittlerweile kam ein Verkäuferkollege von Dave dazu und wir hatten Spaß miteinander. Wir sprachen über Schweden und Schwedinnen und machten Vergleiche mit Australien. Bevor ich bezahlte wollte ich einen Beweis, dass die neue Kamera funktionierte. Ich stellte mich zwischen Dave und seinem Kollegen hinter den Tresen und Gullan machte ein Photo. Dave druckte das Bild aus, wir bezahlten und gingen zufrieden hinaus in die freundliche Wärme.

Wir kauften Eis und setzten uns auf eine Bank im Schatten. Danach suchten wir die Bushaltestelle für die Rückreise. Dies war gar nicht so einfach. Es stellte sich heraus, dass diese nicht auf der gleichen Straße war wie bei der Ankunft. Wir fragten eine Dame in einem Geschäft. Diese war offensichtlich überfragt und gab uns eine Broschüre der Busgesellschaft. Es dauerte eine Weile, bis wir das besondere Bushaltestellensystem in Canberras Innenstadt begriffen hatten.

In der Nähe des alten Parlamentsgebäudes stiegen wir aus, um uns einen Überblick zu verschaffen. Besichtigen wollten wir es an einem anderen Tag. Vor dem alten Parlamentsgebäude befindet sich eine große Rasenfläche. Wir sahen von einiger Entfernung Menschen und einfache Zelte. Es sah aus wie eine Art Demonstration. Was es damit auf sich hatte erfuhren wir später bei unserem nächsten Besuch hier (siehe AU 2010 04 Aboriginal Tent Embassy in Canberra). Hinter diesem pompösen alten Parlamentsgebäude kommt eine weitere große Rasenfläche und dahinter dann auf einem flachen Hügel das neue Parlamentsgebäude mit dem charakteristischen Flaggenmast mit der Flagge, der von überall zu sehen

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© Willi Grigor, 2010 (Rev. 2016)

Gedichte und Prosa:
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