Umschau

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von Alf Glocker

Aus: Der neue Forschungszweig

Wenn wir uns heute einmal umschauen, dann wird jedem schnell klar von wem die großen Erfindungen der Menschheitsgeschichte gemacht wurden. Es waren nur ganz kleine Korrekturen erforderlich um der Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen – nicht mehr. Und richtig gestellt musste das ja mal werden. Was früher einmal behauptet wurde konnte man so doch nicht einfach stehen lassen ...

Doch bevor wir uns der großen Wissenschaft zuwenden, sollte vielleicht noch erwähnt werden, daß auch in Sachen "Belletristik" und "Dichtkunst" ganz wesentliche Korrekturen vorgenommen werden mussten, die zwar den Ablauf der Geschichten oder die Qualität der Sonette nicht beeinflusst, wohl aber ein sehr viel richtigeres Bild von dem erzeugt was eben kreativ erzeugt wurde. So hieß z.B. Cyranno de Bergerac in Wirklichkeit Lien ho Fang (er benutze den französischen Namen nur als Pseudonym) und Rilke war tatsächlich ein Somalier – wie man übrigens auch schon ganz leicht aus seinem Gedicht "Der Panther" ersehen kann.

So und so ähnlich verhält es sich selbstverständlich auch und nicht zuletzt mit nahezu allen großen Denkern der Welt. Den Verbrennungsmotor erfand Ibn Hadschi Abdullah Schummel, die Dampfmaschine Lomo Lom Lomombo, den sogenannten Eiffelturm erbaute Bling ni Zam und die erste Atomspaltung gelang niemand anderem als Ned Eifalla Lossa. Man erschrickt förmlich darüber, wenn man bedenkt, daß Kindern bisher eingeredet wurde, dies seien alles ganz andere Personen gewesen. Hier hat uns wohl der Rassismus vergangener Kulturen in die Irre geführt.

Zum Glück ist die Epoche glücklich überwunden! Endlich können wir uns zufrieden eingestehen, daß bereits alles, was man erfinden konnte, auch erfunden worden ist und nun nichts weiter erfunden werden muss. Wie anders sollte man sich sonst erklären, daß seit unserer Herrschaftsübernahme auch nichts mehr erfunden wurde. Heutzutage genügt es in alten Büchern zu stöbern um immer wieder einmal eine brauchbare Information aus der Vergangenheit zu entdecken. Über die wird dann maßvoll verfügt, da sie ja allen Menschen gleichermaßen zugute kommen soll.

Wann das sein wird entscheiden unsere verantwortungsvollen Parteifunktionäre, unsere Ayatollas und Sammesfürsten, denen es obliegt, uns mit den Geschenken zu verwöhnen, welche der zufälligen Entdeckung obliegen. Inzwischen werden wir weiter daran arbeiten, daß man keine Fehlinformationen mehr verbreitet, die der Entwicklung oder dem Selbstverständnis unserer Kinder schaden könnten. Erst kürzlich – so war zu erfahren – hat eines von ihnen geweint, weil jemand behauptet hatte, Leonardo da Vinci sei weiß und blond gewesen. Was für ein Fauxpas! Aber dafür haben wir ja jetzt unsere Aufsichtsgremien. Bravo Menschheit!

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