Mein lieber Freund, ich schreibe offen,
wie man's zwischen Freunden macht.
Krankheit hat dich schwer getroffen,
gewinnt vielleicht die Übermacht.
Du bist in einer schlimmen Lage
und kämpfst ums Überleben.
Drum denk jetzt an die guten Tage,
die das Leben dir gegeben.
Bedenk, dass wir als Nachkriegskinder
das Leben lebten ohne Not,
dass nie uns, und unsre Kinder,
ein Krieg so wirklich hat bedroht.
Zähl die Tage, die Glück dir brachten,
durch Arbeit, Frau und Kind und Sport.
An denen Freunde mit dir lachten
beim Gruppenwandern hier und dort.
Lege drauf die vielen Male,
da wir beglückt gesungen,
am kleinen See vor einer Hütte,
mehr beseelt als gut gelungen.
Gib dazu noch all die Reisen,
durchs Heimat- und ins ferne Land.
Pilze suchen und verspeisen,
war Freude pur, ein Glück am Rand.
Zieh ab die schlechten deiner Tage,
wo du warst des Kummers Beute.
Auch da gab's Leid, ganz ohne Frage,
doch wahrlich nicht so viel wie heute.
Ich bin sicher, unterm Strich,
wird die schöne Zeit im Blick stehn,
und du wirst, genau wie ich,
freudig lächelnd gern zurücksehn.
© Willi Grigor, 2014
Aus dem Leben