Um uns trauern

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von Heide Nöchel (noé)

Wenn sie nun einfach stehen bliebe -
>unerwartet und plötzlich< wie man so sagt,
mitten in all dem Getriebe,
das sie seit Anbeginn schon plagt,
mitten im samtig-schwarzen All -
unsere Erde - himmelblauer Ball?

Das müsste schon gigantisch sein:
Die Wasser, die uns überspülen,
die stürzten haltlos auf uns ein -
das würden wir gerad noch fühlen,
wir würden es nur nicht verstehen,
während wir darin untergehen.

Und wenn das Wasser dann verebbt,
die Kugel sich jedoch nicht rührt,
wenn ohne Drall sie weiterschwebt -
ob sie im All sich dann verliert?
Würde sie irgendwohin fallen,
vielleicht gar auf die Sonne prallen?

In deren Feuer dann verglühn?
Wie eine Götterdämmerung ...
Oder ganz einfach weiterziehn,
getrieben von dem eignen Schwung -
die ganze Schwerkraft wär verspielt,
die alles fest auf Erden hielt.

Selbst Ameisen und Kakerlaken,
vor deren Überlebenskraft
die Menschen ihrer Zeit erschraken,
die hätten es nicht mehr geschafft -
was für ein kalter, leerer Stein
müsste dann unsre Erde sein ...

Wen würde das noch interessieren?
Sie wäre doch wie all die vielen,
die wir als >Sterne< porträtieren ...
Es würde keine Rolle spielen,
keiner wär da, das zu bedauern.
Und niemand würde um uns trauern.

noé/2017

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