Reisende

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von Marie Mehrfeld

Hast du jemals genug von dem Selbstbetrug,
dich in Zweisamkeit nach der Ferne zu sehnen
und in Einsamkeit nach dem Fluss der Tränen,

die du niemals geweint? Ist kein Widerspruch,
selbst, wenn es so scheint, sagst du mir, und
ich glaube dir; einsam bist auch du oft im Trubel,

und wenn du allein bist, dann fehlt dir der Jubel,
rufst du, und ich höre dir zu; Gewissheit bei der
Suche nach Licht und der Klarheit gibt es nicht,

wie es scheint, sind wir da in Gedanken vereint,
nur wenig zählt Wille - beim Suchen nach Fülle,
nach der Schönheit der Stille; da ist nicht nur die

eine Wahrheit, das sage ich dir und wünsche mir
Glück, doch wenn er da ist, der Augenblick, dann
kann ich ihn nicht halten und auch nicht gestalten;

ich denke zurück, wie es anfangs war, das mit uns,
so verliebt und verspielt und warum es nicht hielt;
wir sitzen im Zug, der niemals anhält, ja, Reisende

sind wir in dieser Welt, auf dem Weg sind wir, ohne
Rast, ohne Ruh’, die Räder, sie rattern den Takt dazu,
so rollen wir weiter und suchen den Sinn, ich hock’

mittendrin, weiß auch nicht, wohin; froh sind wir
zu zweit durch die Jahre gereist auf der Suche nach
Einem, der die Richtung uns weist, dem wir danken

können für das, was wir hatten, für Jahre in Sonne,
für Jahre im Schatten; wir haben uns oft mit Grübeln
geschunden, Antworten haben wir selten gefunden,

nun ziehen die herbstlichen Stürme durchs Land
und das Ziel unsres Wanderns bleibt unbekannt;
wir haben vertraut - und sind nah uns geblieben

und suchen weiter den Sinn im Lieben, es ist nur
im Traum, dass wir leicht sind und schweben,
doch wir spüren, es ist ein Wunder, das Leben ...

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