AU 2008 06 Scarborough, Peregian Beach, Singapur - Page 3

Bild zeigt Willi Grigor
von Willi Grigor

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vor dem Frühstück gern einen Spaziergang mache.
Ich liebe die kurze Anziehzeit im warmen Australien. Kurze Hose, T-skirt, Sandalen ohne Socken, Kappe, Sonnenbrille. Es ist immer warm auch wenn es bewölkt ist.
Ich verließ das Haus, um zum Bäcker zu gehen und spürte, dass die Sonne schon sehr stark brennt obwohl es noch früher Vormittag ist.
An diesem Morgen erlebte ich ein weiteres Beispiele der allgemeinen Freundlichkeit und Offenheit der Leute hier. Da die Bäckerei ziemlich nahe lag, machte ich einen kleinen Umweg und kam zum Yachthafen, wo ich mir die Boote anschaute. Dann bog ich in eine breitere, verkehrsreiche Straße ein, an der das Einkaufszentrum lag. Ein Auto hielt an und der Fahrer fragte, ob er mich ein Stück mitnehmen sollte. Er meinte wohl, ich hatte ein Problem. Auf solchen Straßen geht normalerweise kaum einer spazieren, obwohl an beiden Seiten breite Gehsteige waren. Ich dankte und erklärte, dass ich ein schwedischer Entdeckungsreisender bin.

Zu Hause hat Gullan in der Zwischenzeit schon das Frühstück vorbereitet, frische Brötchen und Teilchen oder Kuchen habe ich mit. Wir aßen wie immer auf der Terrasse.
Danach Computer-time (E-Mail und Tagebuch). Am Computer wechselten wir uns immer ab. Der andere saß auf der Terrasse im Schatten und las oder döste. Um die Mittagszeit verließen wir das Haus nicht. Die Sonne brennt zu stark.
Gegen 4 Uhr machten wir dann unseren täglichen Spaziergang, fast immer entlang der herrlichen, 15 km langen Strandpromenade, von denen wir aber nur ca. 5 km abgegangen sind. Dies aber mehrmals die Woche, auf jeden Fall ich.
Auf dem Rückweg, kurz vor dem Dunkelwerden, setzten wir uns fast immer auf eine Bank und genossen den grandiosen Sonnenuntergang, auf den man sich wirklich jeden Abend verlassen konnte.

Wir machten aber auch lange Spaziergänge durch Scarborough und merkten, dass dies ein Ort für Besserbemittelte ist: Fast nur schmucke Villen, von denen viele - durch einen eigenen Bootssteg an ihrem Kanal - direkten Anschluss ans nahe Meer hatten.
Drei Kilometer von unserem Haus entfernt befand sich ein kleiner Hafen, wo die Fischer jeden Tag ihren Fang direkt an die anliegende Fischbratküche/-geschäft ("Morgans") verkauften. Die meisten Leute aßen den frisch gefangenen und gebackenen Fisch an einem der Tische im Freien. Wein nahm man sich von zu Hause mit. So machten es auch wir.
Im Restaurant daneben hatten sie sogar Erdinger Weizenbier, was mich einige Male zu einer kleinen Unterbrechung des Spaziergangs verleitete, vor allem wenn ich allein unterwegs war.

Auf den Grasflächen entlang der Strandpromenade befanden sich in regelmäßigen Abständen Grillplätze mit elektrisch betriebenen Grillplatten. Die Benutzung ist kostenlos und die Gemeinde besorgt jeden Morgen die Reinigung. Diese sind bei den Australier sehr beliebt. Private Feste werden vor allem an diesen Plätzen abgehalten. An Wochenenden und Feiertagen sind alle Grillplätze belegt.

So ruhig und entspannt verliefen unsere Tage dort. Wir hatten keinen Bedarf an weiteren Ausflügen und Entdeckungsfahrten. Das im Haustausch inkludierte Auto benutzten wir nur einmal pro Woche, um zu einem größeren Shoppingcenter einige Kilometer entfernt zu fahren.

In unserem Pool waren wir höchstens 2-3 Mal. Er war meistens mit seiner blauen Plane abgedeckt, die Reinigungsanlage schalteten wir jeden Tag für einige Stunden ein. Jeden Abend sahen wir in regelmäßigen Abständen freundliche Lichtpunkte, die sich auf uns zubewegten, immer größer wurden und in Richtung Brisbane verschwanden. Es waren Flugzeuge im frühen Landeanflug auf Brisbane, hoch genug, dass man sie nicht hörte.
Abwechslung bekamen wir durch einige Besuche von Axel mit Familie. Mit ihnen waren wir bei der hiesigen Osterfeier am Strand. Der "Osterhase" fiel mit dem Fallschirm auf den warmen Strandsand und verteilte Leckerlis an die Kinder.
Wir waren sehr glücklich mit diesem ruhigen und "ereignisarmen" Leben nach den vielen Eindrücken, die wir vorher sammelten.

Das Wetter war wie erwartet sehr stabil und angenehm warm. Die Hausbesitzer hatten uns gebeten, die wenigen Büsche im (kleinen) Garten mit dem Wasser im Regenwasserspeicher einmal pro Woche zu gießen. Das kommunale Wasser darf laut Gesetz dafür nicht benutzt werden. Der Rasen verträgt Trockenheit mehrere Wochen. Ich musste nur einmal gießen. Es kamen einige kurze Regenschauer, die mir dies abnahmen. Den Minirasen habe ich nur einmal in den 6 Wochen mähen müssen. (In der gleichen Zeit hat Clem bei uns wohl mehrfach Schnee geschippt.)
Ab Anfang April sank die Temperatur am Abend unter 20 Grad, in den letzten zwei Wochen war es maximal 15 Grad, tagsüber aber immer noch ca. 25. Dann war es bei etwas Wind nicht mehr so kuschelig auf der Terrasse. Wir hielten aber durch und aßen alle unsere Mahlzeiten draußen. In den letzten Tagen hatten wir am Abend auch beim Fernsehen einen Pullover an. Die Häuser in Australien kühlen schnell aus, da sie kaum isoliert sind. Türen und Fenster sind nicht dicht, da die meisten Monate im Jahr der Luftdurchzug erwünscht ist.

Fernsehen in Australien kann man vergessen. Nur ein paar Kanäle, die meisten kommerziell und mit einem Programmangebot, das für unsere Begriffe etwas zu mager ist. Wir sahen einige interessante Dokumentarfilme und sogar einige Krimis in deutscher und auch schwedischer Sprache (Wallander). Nach den Nachrichten um zehn Uhr gingen wir normalerweise zu Bett. Hier gab es zwar Satellitenfernsehen mit sehr vielen englischen Kanälen, mit denen wir aber auch nichts zu tun haben wollten.

Am letzten Tag vor unserer Abreise von Scarborough bekamen wir dann doch noch eine unverhoffte Abwechslung. Ich war draußen und mähte den Rasen, Gullan war mit Hausputz beschäftigt. Da kam sie durch die Terrassentür und sagte, dass Maries Vater angerufen und gefragt hat, ob wir nicht bei ihnen reinschauen wollten, gegen 16 Uhr. Zum ersten Mal vergaß sie nun, die Tür so zu sichern wie man es uns gezeigt hatte. Die Folge war, dass die Tür durch den Durchzug zufiel und von außen ohne Schlüssel nicht geöffnet werden konnte. Die Eingangstür zur Straßenseite war sowieso immer abgeschlossen. Wir waren ausgeschlossen, barfuß und für einen Spaziergang unpässlich gekleidet.
Es war aber klar, dass wir losmarschieren und Maries Eltern in der feinen Seniorenresidenz einen unerwarteten Blitzbesuch abstatten mussten. Hoffentlich waren sie nicht schon beim Mittagsschlaf.
Wir sind schon ein paar Mal durch diese gepflegte Anlage für besser gestellte Rentner gelaufen. Sie besteht aus Einzel- und Reihenhäuser, hat Rezeption, Geselligkeitsräume, Restaurant usw. und

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© Willi Grigor, 2008 (Rev. 2017)

Betreffend Singapur siehe auch
literatpro.de/gedicht/290316/dies-kleine-land
literatpro.de/prosa/290316/gestrandet-in-singapur

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