AU 2010 05 Auckland, NZ - Page 4

Bild zeigt Willi Grigor
von Willi Grigor

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hat den am besten erhaltenen Krater. Von ihm soll man eine tolle Rundumsicht auf die Stadt haben.
Wir haben gelesen, dass die Vulkane in Auckland seit 20-30 tausend Jahren inaktiv sind und es so gut wie sicher ist, dass das so bleibt. Neuseeland liegt jedoch genau zwischen zwei sich verschiebenden Erdplatten. Auf der Nordinsel macht sich das durch vulkanische Aktivitäten bemerkbar (die blubbernden und stinkenden Tümpel von Rotorua). Auf der Südinsel wird das durch die Auffaltungen der bis zu 3754 Meter aufsteigenden Neuseeländischen Alpen sichtbar. Erdbeben in Neuseeland gehören auf Grund ihrer Häufigkeit zum Alltag der Neuseeländer, denn sie sind immer präsent. Mit ungefähr 15000 registrierten Erdbeben pro Jahr, 100 bis 150 davon stark genug, um zu einer gefühlten oder gar zu einer ernsthaften Bedrohung zu werden, gehört Neuseeland zu einem der erdbebenreichsten Länder der Erde. Erst im September 2010 hat ein schweres Erdbeben auf der Südinsel erhebliche Schäden angerichtet, vor allem in Christchurch, der zweitgrößten Stadt Neuseelands.

Wir machten uns auf, den Mount Eden zu besteigen. Es wurde ein intensiver Tag.
Der Alt-Vulkan war ein gutes Stück von unserem Haus entfernt und wir nahmen einen Bus, der in diese Richtung fuhr. Einen Stadtplan hatten wir mit. Wir stiegen am Anfang der View Road ab. Es stellte sich heraus, dass das zwei lange Haltestellen zu früh war. Dieser unnötig lange Anmarsch an einem heißen Tag auf einer verkehrsreichen Straße war kein guter Anfang des Tages.

Es gab einen asphaltierten Weg, auf dem auch Autos den Mout Eden hinauffahren konnten, und einen Fußweg, der etwas steiler aber kürzer war. Wir wählten den steileren Aufstieg. Es war ein naturschöner Weg und je höher wir kamen desto imposanter war die Aussicht auf die Stadt mit dem Sky Tower als Landmarke. Auf einem Plateau vor dem steilsten Aufstieg am Kraterrand war hinter einer Absperrung ein riesiges Wasserreservoir angelegt

Auf dem Weg nach unten setzten wir uns auf eine Bank vor dem Wasserreservoir. Ein junger Mann ging hinter dem Zaun und schaute gleichzeitig auf eine Zeichnung in seinen Händen. Er kam so nahe, dass es nahe lag, ihn anzusprechen. Er war bei der Stadt angestellt und er arbeitete an der Planung zum Umbau dieses wichtigen Wasserreservoirs der Stadt. Er hieß Richard und stammt aus Nelson. Wir erzählten, dass wir in knapp zwei Wochen nach Nelson fahren werden. "Eine gute Wahl", sagte er. "Nelson ist die Stadt mit den meisten Sonnenstunden im Jahr in Neuseeland".

Nach dieser unserer Erstbesteigung des höchsten Berges von Auckland hatten wir noch Kraft genug für einen Fußmarsch zum "Auckland Domain". Dieser Park ist der älteste in Auckland und mit 75 ha einer der größten. Er liegt zum größten Teil im Krater eines uralten Vulkans. Hier liegt auch das riesige und populäre "Auckland War Memorial Museum". Wir hatten ca. 3 km durch Stadtmilieu zu laufen. Der Weg war etwas abschüssig und wir sahen von Weitem ein auffälliges Gebäude in einer großen Anlage. Es musste eine Schule sein, eine Menge junger Burschen in Schuluniform kamen heraus und winkten uns zu.

Wir lasen später nach: Die Auckland Grammar School ist ein Gymnasium für Jungen ab 12 Jahren. Sie wurde 1916 errichtet und ist eine der ältesten und mit mehr als 2.200 Schülern eine der größten Schulen Neuseelands und beherbergt auch 120 Internatsschüler. Das Motto der Schule ist „Per Angusta ad Augusta“ (Durch Schwierigkeiten zu Größe).

Auckland Domain und War Memorial Museum
Das erste was wir von dem Park Auckland Domain sahen war ein riesiger Gras-Sportplatz und dahinter, etwas oberhalb am Kraterrand, das mächtige War Memorial Museum. Das Museum wollten wir uns ansehen obwohl wir erste Ermüdungserscheinungen hatten. In der Eingangshalle war es angenehm kühl. Wir tranken Wasser aus unseren Flaschen im Rucksack und kauften Karten zu einem Rundgang mit Führer. Dieser sollte in knapp einer halben Stunde um 14 Uhr am anderen Ende des Museums beginnen. Auf dem Weg dorthin merkten wir, dass es sich um ein Museum von Kolossalformat handelte. Ich befürchtete eine lange Führung.
Am Treffpunkt sah es leer aus, nur eine junge, blonde Frau saß da und las. Der Museumsführer kam, stellte sich vor mit Tony Montford und fragte das Mädchen woher sie kommt. "From Malmö in Sweden". Dann fragte er uns und wir sagten: "From Åmål in Sweden". Tony schaute erfreut und antwortete auf schwedisch, mit einem englisch-dänischen Akzent, dass er aus aus Dänemark kommt aber schon lange hier wohnt.
Er erzählte von dem Buch („Fange af solens rige“) über das Lebensschicksal seiner jetzt 94jährigen Mutter in Java und in einem Gefangenenlager in Japan. Eine Enkelin von ihr hat es geschrieben und es wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Er erzählte so eifrig, dass er scheinbar nicht merkte, dass es bereits kurz nach 14 Uhr war und einige weitere Tourteilnehmer dazugekommen sind. Jetzt ging es aber los. Er fragte uns noch höflich, ob wir die längere Tour oder die kürzere von 1,5 Stunden gehen sollen. Alle wählten höflich die kurze Variante.

Der Rundgang begann in der großen Abteilung über die frühe Geschichte Neuseelands. Hier wurden die Reisen der Polynesier vor über 800 Jahren hierher und das Leben dieser Ur-Einwanderer (genannt "Maori") veranschaulicht. Unser Museumsführer erwies sich als außerordentlich kundiger und engagierter Erzähler. Das kleine Boot, mit dem einige Polynesier es geschafft haben, nach langer Reise über das Meer hierher zu kommen, war ein faszinierendes Anschauungsobjekt. Bis die Europäer vor 200 Jahren nach Neuseeland kamen, lebten die Maori in einer Art Steinzeit. Sie hatten nur Werkzeuge aus Stein oder anderem Naturmaterial. Sie bildeten kleinere Dörfer und lebten von Fischfang aber auch Ackerbau. Viele Beispiele filigraner Kunst, mit einfachsten Werkzeugen hergestellt, waren ausgestellt.
Danach kamen für uns mehr uninteressante Dinge, die mit Flora, Fauna und Neuzeitentwicklung zu tun hatten. Den ausgestorbene Riesenvogel Moa (bis zu vier Meter hoch) und den vom Aussterben bedrohten, flugunfähigen und nachtaktiven Kiwi (Nationalvogel Neuseelands) schauten wir uns mit Interesse an. Die 1,5 Stunden waren um, wir und auch die anderen hatten kein Bedürfnis auch noch durch die Räume zum Gedenken der Kriegsveteranen zu gehen. Das hatten wir in Canberra gemacht und wurden dort sehr positiv überrascht. Es ist unmöglich, dass Auckland das toppen kann, sagten wir uns und bedankten

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© Willi Grigor, 2010/11 (Rev. 2017)

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