AU 2010 05 Auckland, NZ - Page 7

Bild zeigt Willi Grigor
von Willi Grigor

Seiten

Ich werde es wahrscheinlich nicht fertig lesen können. Kein Problem, Anne und John kommen ja im Sommer zu uns nach Åmål und bekommen es dann zurück.
John brachte auch den Fernseher wieder in Ordnung. Wenn ich nicht mehr auf den bestimmten Knopf der Fernbedienung drücke, dürfte es keine Probleme mehr geben.

Nach dem Sky-Tower-Abenteuer bekam ich die Idee, zwei Tage früher als geplant Auckland zu verlassen und stattdessen in Taupo, halbwegs nach Wellington, zu übernachten. Taupo ist das Mekka (man sagt auch Welthauptstadt) der Bungy- und Fallschirmspringer. Hier werden über 30000 Fallschirmsprünge jährlich absolviert. Es liegt an einem großen See, wir werden neue Eindrücke bekommen. Das Umbuchen auf einen früheren Bus erwies sich aber als ein Problem. Wir blieben in Auckland.

Zwei Spaziergänge sind noch erwähnenswert: Ein schöner und ein besch...er.
Der schöne ging durch die riesige Parkanlage Western Spring, auf die wir auf den Busfahrten zur City aufmerksam wurden. Wir gingen entlang des idyllischen Sees im Park mit vielen schwarzen Schwänen und anderen Wasservögeln. Dicke Bambusstämme (eigentlich Halme, da sie zur Gattung der Gräser gehören) erregten unsere Aufmerksamkeit. Wir folgten Schildern zu einem Zoo und lasen dort, dass am Montag geschlossen ist. Es war Montag, aber ein Kiosk hatte offen, wir kauften Eis, saßen auf einer Bank und sahen nicht weit von uns hinter der Mauer eine Giraffe vorbeistolzieren. Bevor ich meine Kamera schussbereit hatte war sie auch schon hinter Bäumen verschwunden. Drei Nashörner sahen wir auch. Das musste reichen. Es ist ja auch nicht so wichtig sich in Neuseeland afrikanische Tiere anzuschauen.

Auf unserer ständigen Jagd nach gutem Brot machten wir uns auf zum Lynn Shoppingcentre, eine Straßenskizze in der Hand. Es wurde ein richtiger Alptraum. Wir gerieten mitten in eine superlange Straßenbaustelle ohne Bürgersteig aber dichtem Verkehr. Die Arbeiter guckten uns an und verstanden nicht, was wir hier zu suchen hatten. Gullan wollte raus aus dem Chaos, sah eine parkähnliche Fläche nicht so weit weg, ich aber wollte weiter nach der Karte gehen um nicht die Orientierung zu verlieren. Als wir endlich am Einkaufszentrum waren, waren wir fertig mit den Nerven. Nach dem Einkaufsbummel mit Kaffee und Kuchen fühlten wir uns besser. Wir wollten eigentlich mit dem Bus oder Taxi zurück. Die sportliche Einstellung behielt aber Oberhand und wir versuchten den Weg, der Gullan vorspiegelte. Nach einigen unansehnlichen Straßen durch ein Industriegelände kamen wir in den Park, den Gullan gesehen hatte und es wurde ein ganz behaglicher Heimweg. Ein junger Mann kam uns entgegen und sagte zu Gullan: "Hast du Kinder unter 18 Jahren"? Gullan ganz verdutzt: "Warum?" Er: "Ich möchte ein 18jähriges Mädchen kennenlernen." Gullan: "Wir können dir leider nicht helfen." Er: "I see." und ging weiter. Wir verstanden das Ganze nicht.

Wir erhielten eine ziemlich unfreundliche E-Mail von der Busgesellschaft, bei der wir die Fahrt von Picton nach Nelson gebucht hatten. Picton ist der kleine Ort auf der Südinsel, wo die Fähre von Wellington anlegt. Man teilte uns kurz mit, dass unser Bus eingestellt ist und wir das Fahrgeld zurückerstattet bekommen. Dass es keine Alternative zu dem Bus gab, spielte anscheinend keine Rolle. Wir nahmen Kontakt mit unseren Tauschpartnern in Nelson auf, die sich fast entschuldigten für den ungewöhnlich barschen Bescheid der Busfirma. "Wir holen Euch in Picton mit dem Auto ab. Es sind ja nur zwei Stunden Fahrzeit", erklärten sie. Auf diese Weise wurde das Ganze für uns später sogar zum Vorteil. Wir fuhren mit dem Auto eine kurvige aber idyllische Straße entlang des Fjordes, die der Bus nicht genommen hätte.

Mit dem Computer hatten wir auch endlich wieder Skype und die billige Möglichkeit, mit Australien, Schweden und Deutschland zu sprechen.
In Schweden hatten wir Schneechaos. Unser Terrassendach drohte einzustürzen. Wir riefen Michael an, der uns regelmäßig hilft, wenn wir an der "Waldhütte" mit meinen Projekten zugange sind. Er fuhr unmittelbar zu unserem Haus und schippte den Schnee vom Dach. Eine Scheibe der Terrassenverglasung war allerdings bereits zersprungen.

Busreise nach Wellington
Anne und John kamen pünktlich am Samstag um 8:30 Uhr. Der Bus nach Wellington ging um 9:15 Uhr vom Busbahnhof an der Hobson Street gleich hinter dem Sky Tower. Wir verabschiedeten uns von Anne und John, wir werden uns bald in Åmål wiedersehen.

Der Bus war nur halb voll. Es werden aber noch einige Passagiere später dazukommen. Die Fahrt sollte knapp 12 Stunden dauern und wir belegten je zwei Sitze rechts und links des Gangs. Ich spürte eine merkbare Nervosität. Eine große Erwartung auf das LAND Neuseeland hat sich in den letzten Tagen aufgebaut, wir wollten raus aus der Großstadt! Auf der Fahrt würde ich keine brauchbaren Fotos machen können. Ich nahm Gullans Block und wollte meine Eindrücke "live" niederschreiben. Ich war fast wie in Trance.

Das Landschaftsbild gleich hinter Auckland entsprach unseren Vorstellungen. Es wurde hügelig, ja bergig. Kaum Ortschaften aber riesige Weideflächen, jedoch relativ wenig Schaf- bzw. Rinderherden.
Sehr eindrucksvoll war die Fahrt durch einen Teil des Tongariro-Nationalparks, eine karge, vulkanische Hochebene mit wechselnden, spektakulären Landschaftsbildern. Wir sahen Maisfelder aber keine Gemüse- oder Obstplantagen, die wir erwartet hätten.

Fakten
Der Tongariro-Nationalpark ist der älteste Nationalpark Neuseelands. Der sich im Zentrum der Nordinsel erstreckende Park gehört als eine von nur 23 Stätten sowohl zum Weltkultur- als auch zum Weltnaturerbe der UNESCO. Der Tongariro-Nationalpark ist der viertälteste Nationalpark weltweit. Im Zentrum des Parks befinden sich drei aktive Vulkanberge: der Tongariro (1968 m), der Ngauruhoe (2291 m) und der Ruapehu (2797 m). Auf dem Gebiet des Nationalparks befinden sich mehrere Kultstätten der Māori, die die Vulkane als heilig verehren. Die Straßenentfernung zum nördlich gelegenen Auckland beträgt etwa 330 km, zu Wellington im Süden 320 km. Der Nationalpark bildet den größten Teil der so genannten Zentralen Hochebene (Central Plateau; auch North Island Volcanic Plateau oder Waimarino Plateau). Quelle: Wikipedia

Die letzten 10 Kilometer entlang der Bucht (Wellington Harbour), an deren südlichen Ende sich die Hauptstadt anschmiegt, waren - gefühlt - eine einzige Triumphfahrt zum Ziel: Wellington. Die Sonne ging gerade auf und der Vollmond stand dicht über dem dunklen Wasser. Er begleitete uns bis zu unserer Haltestelle am Bahnhof in Wellington um 20:15 Uhr.

***
Du schönes, stilles Musterland

Ich glaubte nie, dass wir uns fänden,
dieser Gedanke kam mir abhanden.
Es lag an kleinen Glücksumständen,
dass wir uns schließlich dennoch fanden.

Du bist ein Land und zweigeteilt,
es gibt ein Hüben und ein Drüben.
Im Norden liegt dein Oberteil,
der Rest liegt mehr im Süden.

Ganz im Norden liegt deine Großstadt,
in ihr der Himmelsturm "Sky Tower".
Von diesem stürzt man, wenn man Mut hat,
sich mit Schreck- und Freudenschauer.

Die Fahrt nach Süden lässt erahnen,
deine frische, grüne Mildheit.
Den nicht erloschenen Vulkanen
verdankst du deine Wildheit.

"Windy Welly", die kleine Hauptstadt,
liegt an der Sraße des Herrn Cook.
Wenn man drei Tage für sie Zeit hat,
lernt man sie lieben, sie ist schmuck.

Das Kreuz des Südens ständig funkelt,
am Tag auf deiner Landesfahne,
nachts am Himmel, wenn es dunkelt.
Ein Lichtsymbol, ich es erahne.

Dein so famoses Unterteil,
auf der anderen Straßenseite,
wird jenen Wanderern zuteil,
die lieben straßenlose Weite.

Du schönes, stilles Musterland,
du bist umschwärmt und wohlbekannt.
Und deine isolierte Lage
schützt dich vor der Schönen Plage:
Massentourismus-Invasion.
Du willst das nicht, gar keine Frage.
Für dich allein das Wort ist Hohn.
***

Fortsetzung siehe AU 2010 07 "Windy Welly" Wellington, NZ

Seiten

© Willi Grigor, 2010/11 (Rev. 2017)

Gedichte und Prosa:
https://www.literatpro.de/willi-grigor

Prosa in Kategorie: 
Thema / Klassifikation: